Text von Anne-Céline Jaeger

Kintsukuroi ist in Japan die Bezeichnung für die traditionelle Kunst des Reparierens mit Gold. Kintsukuroi entstand im späten 15. Jahrhundert und wird üblicherweise auf Keramik angewandt, wobei Lack mit Goldpulver vermischt wird, um Brüche zu reparieren. Schäden werden als Teil der Geschichte des Objekts betrachtet und nicht als etwas, das es zu verbergen gilt. Die Philosophie dahinter ist, dass etwas schöner wird, wenn es zerbrochen ist.
Etwas wird schöner, weil es kaputt ist
Etwas wird schöner, weil es kaputt ist
Etwas wird schöner, weil es kaputt ist

Ich hätte gern eine LED im Jenny-Holzer-Stil, die mich in Zeiten des Massenkonsums und der Wegwerfprodukte daran erinnert, dass das Konzept der japanischen Ästhetik, das die Abnutzungserscheinungen eines Gegenstands wertschätzt, so poetisch ist, dass es in die eigene Ethik integriert werden sollte. Wie ein Vitamin für neue Perspektiven. Die Künstlerin Rachel Sussman hat uns genau das gegeben. Sie hat diese erbauliche Sichtweise auf die Langlebigkeit und das Wesen eines Gegenstands auf die rissigen Bürgersteige des Massachusetts Museum of Contemporary Art (MASS MoCA) in den USA übertragen. Mithilfe der Kunst des Kintsukuroi hat sie die Straßen mit Gold gepflastert. Aber mehr noch, sie hat uns daran erinnert, dass kaputt nicht gleich fertig ist. Kaputt kann sogar neues Leben bedeuten.

